Alain Badiou über das wahre Glück

Lebten wir nicht in der vollendeten Gesellschaft des Spektakels, wo „der Betrieb verschluckt, was immer auch geschieht“ (Adorno), man müsste Badious Bücher mit dem Etikett „parental advisory“ versehen. Als wollte er selbst in diese Kerbe hauen, erschien gerade bei Suhrkamp ein neuer Band mit dem vielsagenden Titel Versuch, die Jugend zu verderben. Der französische Obertitel „La vraie vie“ (im Deutschen nicht übernommen), das wahre Leben, verweist auf Badious ungeheure Ambition, dem triumphierenden Konsumkapitalismus noch einmal mit den Mitteln des Denkens sich entgegenzustellen.

Rechts oder links? Auf der Suche nach dem wahren Glück wird Badiou unter anderem bei Paulus fündig. (Bild: Rijksmuseum, 17. Jh. , anonym)

Das Buch Philosophie des wahren Glücks zerfällt äußerlich in zwei Teile: einen ersten, systematischen Teil (Kapitel 1-3), wo Badiou, ausgehend von seiner Gesellschafts- und Zeitdiagnose, die Koordinaten seines Denkens gleichsam rückblickend entfaltet; und einen zweiten Teil, wo er vorausblickt auf den geplanten Abschluss seines philosophischen Hauptwerks, der Die Immanenz der Wahrheiten heißen soll. In kursorischer Weise versammelt er seine Grundgedanken, die um den Begriff des Ereignisses kreisen sowie natürlich um das „wahre Glück“, das wesentlich in der Treue zum Ereignis besteht.

Alain Badiou: Philosophie des wahren Glücks, Wien 2016 (Passagen), 104 S., brosch., 13,90 EUR

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